Siegfried Marcus |
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Siegfried Samuel Marcus 18. September 1831 in Malchin, Mecklenburg; † 30. Juni 1898 in Wien |
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Siegfried Liepmann, nach der jüdischen Konfirmationsurkunde Siegfried Samuel Marcus, wurde am 18.9.1831 in Malchin (Mecklenburg, Deutschland) geboren. Sein Vater war Liepmann Marcus (1790-1855), seine Mutter Rosa Marcus (1769-1859). |
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1856 gründete er sein erstes „Labor“. In der Mariahilferstraße 107 führte er seine Werkstätte zunächst als „Telegrafen - Bauanstalt“. Zu Beginn der 1860er Jahre entwickelte er verschiedene elektrotechnische Geräte, wie zum Beispiel eine Thermosäule. Damit versuchte man, direkt aus Wärme elektrischen Strom zu erzeugen, was aber an der Unwirtschaftlichkeit des Verfahrens scheiterte. 1865 wurde seiner Methode zur Carbonisierung der Luft (ein Vergaser) erstmals ein Privileg erteilt (so nannte man damals in Österreich Patente) – sein zweites wichtiges motortechnisches Entwicklungsgebiet neben dem elektrischen Zünder. |
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1867 wurde Marcus die Silberne Medaille der Pariser Weltausstellung (vermutlich) für einen Feldtelegraphen verliehen – er war damals bereits ein in Wien allgemein bekannter Techniker. Auch der Kaiser ehrte ihn später mit dem goldenen Verdienstkreuz. |
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Um 1870 baute Marcus den ersten belegten mobilen Petroleum (Benzin) - Explosionsmotor der Welt. Seine Fahrten mit einem einfachen, handwagenartigen Fahrzeug, heute „Marcus- Wagen-1“ genannt, machten ihn zum ersten Menschen, der mit einem Benzinfahrzeug gefahren ist. Das Marcus - Denkmal in Wien nennt ihn dafür „Erfinder des Automobils 1864“ (das Baujahr des Wagens wurde bei Errichtung im Jahr 1932 fälschlich so angenommen). Es sind insgesamt neun Verbrennungsmotoren bekannt, die Marcus zwischen 1970 und 1888/89 bauen ließ. 1887 begann die Zusammenarbeit mit Märky, Bromovsky und Schulz in Adamsthal (Mähren, heute Tschechische Republik). Diese Firma bot Zwei- und Viertaktmotore nach dem „Patent Marcus“ an. Die Zusammenarbeit dauerte bis zu dessen Tod. |
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1888/89 baute diese Firma den „Zweiten Marcuswagen“, der Markus infolge einer 70 Jahre langen falschen Vordatierung auf 1875 weltbekannt machte. Seine Motoren waren jedoch von geringer wirtschaftlicher Bedeutung. Gelebt hat Marcus vom Bau physikalischer Geräte, wie z.B. Zeichengeräte für das graphische Gewebe, und elektrischer Geräte, wie seine Elektrozünder für Bergwerke oder militärische Zwecke, Elektrolampen oder Telegraphenapparate. Eine zweite Einkommensquelle war der Verkauf seiner zahlreichen Verbesserungen und Erfindungen. Marcus hatte 131 Patente in 16 damaligen Staaten angemeldet. Er verfügte Zeit seines Lebens nur über kleine Werkstätten mit ein bis zwei Gehilfen und war daher auch nicht in der Lage, diese selbst nennenswert auszuwerten. 1890 verlegte Marcus seine „Fabrik mechanischer u. physikalischer Instrumente u. Apparate“ auf den Standort Mondscheingasse 4, unweit seiner bisherigen Werkstätte. |
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Am 1.7.1898 starb Marcus in Wien. Seine letzten Lebensjahre hindurch litt er unter er Gesundheitsproblemen. In sein Todesjahr fällt das erste belegte öffentliche Auftreten des „Marcus-Wagen-2“ anlässlich einer Kollektivausstellung der Automobilbauer Österreichs auf der Kaiser-Franz-Joeph-Jubiläums-Gewerbeausstellung. Seine Verlassenschaft, einschließlich der Werkstätte, wurde mit 3.412.fl (Kaufkraft im Jahr 2000: ca. € 33.400) bewertet. |
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Über seine persönliche Lebensführung ist wenig bekannt. Bereits in jungen Jahren war er zum Evangelischen Glauben konvertiert. Marcus hatte zwei Brüder, einer war als Kaufmann in Hamburg, der andere war Lehrer und Musiker in Amerika. Bis zu seinem Tode lebte er als Ausländer in Wien, er war nie österreichischer Staatsbürger geworden. |
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„Entgegen bisheriger Annahmen war Marcus keineswegs der verschlossene Erfinder, sondern stets um die Gunst der Öffentlichkeit und um journalistische Unterstützung bemüht. Der Geschäftsmann Siegfried Marcus zeigt sich als zäher Verhandler bei der Verwertung seiner Erfindungen und technischen Verbesserungen, wie dies etwa aus seiner Korrespondenz mit Siemens & Halske in Berlin und der Akademie der Wissenschaften in Wien hervorgeht.“ (siehe Quellenangabe) |
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Marcus ruht in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof, wohin er und seine Lebensgefährtin aus ihrer ursprünglichen Ruhestätte am Hütteldorfer Friedhof überführt wurden. Es gibt keinen österreichischen Erfinder, über dessen Leben mehr Mythen kolportiert werden, als Marcus. Auch in die Literatur hat Siegfried Marcus Eingang gefunden. Der Grazer Schriftsteller Emil Ertl hat ihm zum Vorbild für die literarische Figur des „Spinnerichs“ in seiner Erzählung „Der Kilometerfresser“, erschienen 1927, genommen, lässt seine Romanfigur aber im Gegensatz zu Marcus’ beruflicher Tätigkeit einen Webstuhlmechaniker sein. |
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(C) 2008 |
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