Die eigenhändigen Anmerkungen von Marcus auf den Fotos lauten: “Petroleum(Benzin)-Motor zum Betriebe eines Straßenwagens mit Federvorrichtung zur Neutralisierung der Explosionsstöße – konstruiert von Siegfr. Marcus 1870“, respective „Motor-Wagen. Konstruiert von Siegfr. Marcus. Wien d. 3ten Septbr.1870. Photographiert von Löwy durch Assistent Jaffe“. Das Vorstandsmitglied des Österr. Automobil - Clubs, Prof.Ing. Czischek-Christen, hat 2 dieser 5 erhaltenen Fotos anlässlich seines Vortrages "Automobile" im Jahr 1898 von Marcus selbst überreicht bekommen. Die restlichen 3 befanden sich im Nachlass des ab 1892 für Marcus tätigen Patentanwalts Tischler.
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Die Datierung „1864“ auf dem Marcus – Denkmal im Wiener Resselpark geht auf Ladislaus Jonasz (1875 - ?) zurück, den ersten Direktor von Fiat in Wien und späteren Direktor von Austro Daimler. Er beruft sich dabei in einem Artikel in der „Allgemeinen Automobil-Zeitung“ aus dem Jahr 1901 auf einen gewissen Blum, der 1864 bei Marcus als „Arbeitsgenosse“ eintrat und versicherte „ ...den Wagen zu diesem Zeitpunkt schon vorgefunden zu haben.“ Das Jahr 1866 nennt ein Fahrbericht des Albert Curjel (1843-?). Allerdings hat er dieses Erlebnis erst 1904, also fast 35 Jahre nach dem wahrscheinlichen Datum von 1870, nieder geschrieben. Seine Glaubwürdigkeit wird auch durch leicht erkennbare Fehler an anderer Stelle des Beitrages erschüttert. Curjel war ein bekannter Mann in Wien. Ursprünglich Nähmaschinenhersteller in der Mariahilferstr. 115, importierte er englische Hochräder. Später hatte er die Niederlassung für „Laurin und Klement“ Motorräder aus dem damaligen Jungbunzlau – heute nach einer Fusion unter „Skoda“ bekannt – in der Wiener Elisabethstraße inne. In einem Saal in seinem Keller betrieb er auch eine Radfahrschule, was damals aber nichts außergewöhnliches war. Dem Bericht des Ladislaus Jonasz widerspricht die Aussage des Alois Christian, der zur gleichen Zeit wie Blum bei Marcus in der Lehre war und von einem Wagen nichts wusste, wie er Kurzel-Runtscheiner (1883-1957, Vizedirektor des Wiener Technischen Museums) wissen ließ. Wohl aber wusste Christian über die Versuche Marcus’ mit Oberflächenvergasern in den 1860-er Jahren bescheid und erzählte von der Installation einer elektrischen Klingel in der Wiener Hofburg. Auch Moritz Ritter von Pichler (1847-97) schrieb 1888 in der „Wochenschrift des Österreichischen Ingenieur- und Archtekten-Vereines“: „..wurde 1870 ein Motor gebaut, der, vertical gestellt, einfach wirkend, an seiner unteren Cylinderseite mit Hähnen regulierbar, das damals hochflüchtige Betriebsgemisch aufnahm“ und, weiters, „...( Marcus) schon im Jahr 1870 einen Petroleummotor gebaut hat, mit dem er, einen Wagen treibend, auf der Mariahilferstrasse herumfuhr“. Ebenso ist in „Ackermann’s Gewerbe-Zeitung“ – siehe oben – vom September 1870 die Rede, in genauer Übereinstimmung mit der Anmerkung auf einer der Fotografien.
Quellenangabe
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Im Schreiben vom 1.2.01 spricht die Firma Märky, Bromovsky und Schulz, der Hersteller des Zweiten Marcus Wagens, davon, dass dieser (zweite, von ihr 1888/89 hergestellte) nicht „... mit dem identisch (ist), mit welchem Marcus bereits in den 70er Jahren Fahrversuche gemacht haben soll“. Da Marcus seinen Oberflächenvergaser 1865 und 1866 patentieren ließ, ist ein Entstehen des Fahrzeuges vor dieser Zeit nahezu auszuschließen. Sollen die von anderen Zeitzeugen widersprochenen Angaben von Blum, bzw. Jonasz, und Curjel Grund genug sein, das von Marcus selbst angeführte Jahr 1870 als Herstellungsdatum in Frage zu stellen? Die Einfachheit des Wagens zum Zeitpunkt der Fotoaufnahmen lässt darauf schließen, dass er keine lang dauernden Versuche hinter sich hatte. Welchen Sinn hätten viele Fahrversuche mit diesem unlenkbaren und unbremsbaren Fahrzeug gehabt? Auch das untermauert die Datierung mit 1870. Und, kommt es auf ein paar Jahre mehr oder weniger überhaupt an? Es fällt auf, dass weder Curjel, noch Pichler oder Jonasz jemals über den jüngeren, Zweiten Marcus Wagen berichtet haben. Pichler hat Marcus persönlich gut gekannt, er hat für Marcus konstruiert, z.B. den von Heilmann-Ducommun & Steinlein 1885 gebauten stationären Zweitaktmotor. Ladislaus Jonasz war durch Béla Egger "über mehrere Ecken" mit Marcus geschäftlich verbunden. Der Direktor des Fiat-Werkes in Floridsdorf war Adolf Egger, der Sohn des Technikpioniers Béla Egger, mit dem Marcus Ende der 1870-Jahre auf dem Gebiet der Elektrobeleuchtung eng zusammen gearbeitet hat. Technikhistoriker lehnen bei komplexen technischen Gebilden die Begriffe „Erfindung“ und „Erfinder“ ab und sprechen von Erfinderreihen. Daher wird hier die Frage, ob Marcus mit dem beschriebenen Fahrzeug das Auto erfunden hat, weder aufgeworfen, noch beantwortet. Einen Platz in der „Hall of Fame“ der Väter des Autos hat sich Marcus mit seiner Pionierleistung, als Erster Vergaser, Benzinmotor und Wagen zu einer Einheit zusammen zu fassen, aber für alle Zeiten gesichert.
2. Marcus Wagen
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