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Automobilpioniere
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Benz, Daimler, Marcus, Maybach & die Geburt des Automobils In der Diskussion über die Erfindung des benzinbetriebenen Automobils tauchen die Namen Benz, Daimler und Marcus am häufigsten auf. Die jeweils ersten – im Fall Marcus auch das letzte – Fahrzeuge der drei Erfinder entstanden fast zeitgleich, nämlich zwischen 1886 und 1889. Ziemlich in Vergessenheit geraten ist der Däne Albert Hammel, dessen Wagen ebenfalls zu dieser Zeit entstand. Noch 1954 erregte das Fahrzeug mit seiner Teilnahme am London-Brighton Run beträchtliches Aufsehen. Der Hammel Wagen und der Zweite Marcus Wagen in Wien – über den wir hier noch sprechen werden – sind jedenfalls die beiden ältesten im Originalzustand erhaltenen Automobile der Welt.
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Bild: Hammel Wagen, um 1888 (Bildquelle: Austro Classic, Dezember 2004). Alle diese Fahrzeuge weisen Merkmale des heutigen Autos wie Verbrennungsmotor, vom Fahrer betätigte Lenkung und Bremsen, sowie Sitze für Fahrer und Beifahrer auf. Benz übernahm die damals aktuelle Fahrradtechnik für sein dreirädriges Fahrzeug. Daimler, von Otto kommend, konzentrierte sich auf die Motorentwicklung und schuf bereits 1885 den motorradartigen Reitwagen. 1886 motorisierte er einfach eine zu diesem Zweck angeschaffte Kutsche.
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Bild: Daimler Reitwagen (1885). Daimler, von Otto kommend, konzentrierte sich auf die Motorentwicklung und schuf bereits 1885 den motorradartigen Reitwagen.
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Bild: Benz-Dreirad. 1886 motorisierte er einfach eine zu diesem Zweck angeschaffte Kutsche. Sie sparten damit Gewicht, denn sie waren sich der Notwendigkeit der Optimierung des Leistungsgewichtes infolge der damaligen schwachbrüstigen Antriebe von ca. 1 PS bewußt. Marcus hingegen ließ ein Fahrgestell bauen, welches in der Lage war, seinen 280 kg schweren Motor aufzunehmen und welches dem heutigen Auto optisch in einfacher Weise nahe kommt. Er mußte jedoch schlußendlich ein zweieinhalb bis respektive dreimal schlechteres Leistungsgewicht als Benz und Daimler in Kauf nehmen. Der Benz‘sche Motor wog 110 kg, der Daimler‘sche gar nur 92 kg bei annähernd gleicher Motorleistung aller drei von ca. 1 PS.
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Bild: Daimler Kutsche 1886. Das Benz Dreirad wog insgesamt 265 kg, die spätere Daimler Motorkutsche auch nur 290 kg wo hingegen es der Marcuswagen auf stattliche 756 kg brachte. Alle drei Konstrukteure verwendeten Viertaktmotoren, was durch den Fall des Ottopatents 1886 möglich war. Daimler und sein Helfer Maybach vertrauten der Glührohrzündung. Benz baute eine elektrische Induktionszündung ein und Marcus war mit seinem selbst entwickelten Niederspannungsabreißzünder vergleichsweise der Fortschrittlichste, weil er damit dem um 1897 von Bosch eingeführten Magnetzünder nahe kam. Alle hatten wassergekühlte Motoren. Der Marcuswagen und das Benzfahrzeug hatten eine Übersetzung (einen „Gang“), dem Daimler standen zwei „Gänge“ zur Verfügung. Maibach fuhr mit dem Daimler‘schen Reitwagen 1885 auf Anhieb drei Kilometer weit4 und Bertha Benz trug sich mit ihrer historischen Fahrt von 1888 über 100 km von Mannheim nach Pforzheim in das erste Kapitel der Autotouring-Geschichte ein.
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Der Marcuswagen war nach Berichten der Herstellerfirma Märky, Bromovsky & Schulz mit der ursprünglich gewählten Übersetzung unfahrbar und konnte erst mit einem verbesserten Antrieb ein bescheidenes Steigungsvermögen von 1 1/2% erreichen. 1892, bereits drei Jahre nach dem Bau des Marcuswagens, wurde der Benzwagen in Wien als taugliches Verkehrsmittel allgemein zum Kauf angeboten.
Gottlieb Daimler
Daimler kannte nicht nur den französischen Gasmotorenbau durch seine Studien des Lenoir-Motors vor Ort in Paris sondern verbrachte auch zwei Arbeitsjahre in England bei bekannten Maschinenfirmen. Ab 1872 war er 10 Jahre als Direktor bei Otto und Langen in Deuz. Dort geriet er - und das sollte sich noch wiederholen – in Konflikt mit seinen Kollegen in der Chefetage und mußte schließlich gehen.
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Bild: Gottlieb Daimler. Er gründete seine eigene Entwicklungsfirma, die sich auf Motoren und nicht ganz Fahrzeuge konzentrierte und handelte wirtschaftlich gesehen sehr fortschrittlich: Er konzentrierte sich auf seine Stärken und wählte sich noch dazu einen kongenialen Partner aus, seinen Kollegen aus Deuzer Zeit, Wilhelm Maybach. Die nächsten, zukunftsweisenden strategischen Entscheidung traf er ab 1887. Er vergab Lizenzen für seinen Motor an ausländische Firmen. 1887 an Sarazin in Frankreich, dessen Witwe ihre Rechte am Daimler-Motor in die Firma ihres zweiten Mannes, Emile Lavassor, einbrachte. Diese entwickelte sich zu der bedeutenden, technisch führenden und bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bestehende Automobilfirma Panhard Levassor. 1889, im Entstehungsjahr des zweiten Marcus Wagens, gründete er zusammen mit dem weltbekannten Klaviererzeuger William Steinway die „Daimler Company of America“ und baute in Deutschland den „Stahlradwagen“. Sein deutsches Geschäft wuchs so schnell, daß die „Daimler Motoren Gesellschaft“ 1890 gegründet wurde. Und das Spiel von 1883 wiederholte sich. Daimler zerstritt sich wieder mit seine Kollegen und ging zusammen mit Maybach. Ebenfalls 1890 übernahm Simms die Patente für England und 1893 wurde das englische „Daimler Motor Syndicate“ gegründet. Nach vierjähriger Absenz kehrten Daimler und Maybach in ihre alte Firma zurück. Daimler überließ die technische Arbeit weitgehend Maybach. Er starb im Jahr 1900.
Carl Benz
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Bild: Carl Benz. Carl Benz schloß 1864 sein Studium an der Polytechnischen Hochschule in Karlsruhe – später Technische Hochschule – ab. Nach einigen Anstellungen in Wagen- und Maschinenfabriken gründet Benz zusammen mit August Ritter sein erstes eigenes Unternehmen, die „Carl Benz und August Ritter, mechanische Werkstätte“. Mit der Mitgift seiner Späteren Gattin Bertha zahlt Benz kurz darauf seinen Partner aus. 1877 begann er mit der Konstruktion eines Zweitaktmotors, der in der Sylvesternacht 1879 zum ersten Mal lief. 1883 wurde die Benz & Cie Gasmotorenfabrik in Mannheim gegründet. Benz wendete sich dezidiert dem Bau eines Kraftwagens zu und erhielt 1886 ein Patent auf den ersten brauchbaren Motorwagen. Der Wagen wurde weiterentwickelt und auf den Markt gebracht und aus dem Unternehmen wurde eine der ersten industriellen Automobilfabriken der Welt. Benz hatte das Automobil als Einheit von Fahrgestell und Motor im Auge, mit dem Ziel es auch selbst zu produzieren. Seine Fahrzeuge erregten schon früh Aufsehen. Mit der Fahrt der Bertha Benz von 1888 bis zu den Fernfahrten des Herrn v. Liebig, der 1894 vom heimatlichen böhmischen Reichenberg (Tschechien) nach Gondorf bei Koblenz, mit einem Abstecher zu Herrn Benz in Mannheim, insgesamt fast 1000km weit fuhr. Der Wagen, ein Benz Victoria, war bereit mit einer Achsschenkellenkung ausgestattet!
Siegfried Marcus
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Siegfried Samuel Marcus 18. September 1831 in Malchin, Mecklenburg; † 30. Juni 1898 in Wien
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Bild: Siegfried Marcus. Siegfried Marcus war in vielen Punkten das Gegenteil von Gottlieb Daimler und Carl Benz. Er war ein „Universalgenie“, das sich mit Elektrotechnik, Chemie, Galvanik, Beleuchtung und Verbrennungsmotoren bis hin zum gesamten Motorwagen, beschäftigte. Von seinen rund 130 Patente in Österreich, Deutschland, USA, Belgien, Frankreich, England, Italien, Schweiz, Ungarn, Finnland, Norwegen und Russland wurde kein einziges industriell umgesetzt, alle verfielen rasch nach seinem Tod. Er hat auch nicht das Kapital aufgebracht, eine Firma aufzubauen wie Benz. Er mußte sich einen Partner suchen, in diesem Fall war es die im Wagenbau unerfahrene Firma Märky, Bromovsky und Schulz. Wir wissen es nicht genau, warum der Marcuswagen von 1889 nie zu ein brauchbares Fahrzeug weiterentwickelt wurde. Neben den Defiziten der Partnerfirma spielten aber Geldmangel und Gesundheitsprobleme ein Rolle. Der Motor von Marcus hatte zwar fortschrittliche und sehr brauchbare Aggregate wie Vergaser und Zündung, aber das Gewicht, zusammen mit dem des schweren Fahrgestells, verwehrte ihm jede Zukunft, Mit einem Steigvermögen von 1 1/2% war er auf damaligen Straßen unfahrbar. Es hätte eines gänzlich neuen Konzeptes bedurft. Österreich war damals weniger industriell entwickelt als etwa Deutschland, England und Frankreich. Ist Marcus in tragischer Weise nicht auch ein Symbol für die technische Rückständigkeit des Österreichs im 19. Jhdt., wo man noch kurz zuvor eine Pferdeeisenbahn baute, als andere bereits mit Dampf fuhren und das einem Ressel aus Geldmangel und Ignoranz den Rücken kehrte? Daher war das Schicksal, das Marcus wirtschaftlich erfahren hat, aufgrund all dieser makro- und mirkroökonosche Ursachen nicht Zufall, sondern Zwangsläufigkeit. Die moderne Technikgeschichte lehnt den Begriff Erfinder für technisch komplexe Lösungen mit Recht ab, man spricht heute von Erfinderreihen. Aber, ganz egal ob Erfinder oder nicht, mit einem Benzinwagen ist Marcus um 1870 allemal als erster gefahren! Günter Rott, Graz, Österreich.
Seine Erfindungen
Quellenangabe
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(C) 2008 |
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